Anlage und Pflege meines Schmetterlingsgartens (2015-2016)

Anlage und Pflege meines Schmetterlingsgartens (2015-2016)
Vorweg: Ja! Auch in einem sehr kleinen Garten kann man Refugien für Schmetterlinge schaffen. Und das sollte man auch tun! Sie werden mit Sicherheit dafür üppig belohnt durch den Besuch der Falter!

Aber wenn man eine größere Fläche umgestalten kann, hat man natürlich deutlich mehr Möglich­keiten.       

Vor Beginn der Arbeiten musste Jimmie umziehen...

Mehrere Jahre lang reifte in mir die Idee, eine an unseren Hausgarten grenzende Ponyweide von 900 m², die meiner Partnerin gehört, zu einem Natur- bzw. Schmetterlingsgarten umzugestalten.

Eine genaue Beobachtung der Gesamtfläche im Tages- und Jahresverlauf- wie lange ist welche Teilfläche besonnt - ging vorweg und floss in die endgültige Planung ein. Ein längeres Studium einschlägiger Fachliteratur gab mir Orientierungshilfen und unterstützte meine verschiedenen Entscheidungsschritte.

Günstig für mein Vorhaben war der Umstand, dass der Boden der Fläche von vornherein ziemlich mager war. Die Fläche liegt auf einem eiszeitlichen Sander und in der Tiefe – nach einer Ortsteinschicht - ist bodenständiger Kies. Trotzdem war mir die Fläche insgesamt noch nicht mager genug.

Nachdem das Pony umquartiert war, begann die Arbeit im Vorfrühling 2015 deshalb mit der Beauftragung eines Gartenbauunter­nehmens, das die oberen 15-20 cm Humusschicht inclusive der gesamten Grasnarbe abtrug und den Aushub am östlichen Rand der Fläche zu einem neuen Knickwall parallel zur Straße aufwarf. Der Baggerfahrer legte noch einige geplante Wege an und hob eine größere Kuhle aus, an der in süd- und südwestlicher Disposition eine Steinmauer entstehen sollte – dieses Vorhaben soll vor allem besonders wärmeliebenden Pflanzen und auch Eidechsen eine Heimat bieten.

April 2015: die Arbeiten beginnen mit dem Abtrag der Humusschicht

Da es in Schleswig-Holstein keine „gewachsenen" Steine gibt, sondern nur solche, die aus Skandinavien während der letzten Eiszeit hierher transportiert worden sind, muss man sich damit begnügen.

Zu den schließlich ausgesuchten und bestellten „Findlingen", die von einem Lohnunternehmen angeliefert wurden und weiteren organisierten mittelgroßen Steinen wurden noch vier LKW-Ladungen Kies gebracht, dann konnte meine eigentliche Arbeit beginnen.

Nach ziemlichen aufwändigen Nivellierungsarbeiten per Hand auf den ganzen 900 m² habe ich zunächst einige Obstbäume (Pflaumen und Mirabellen) in der Fläche und zahlreiche heimische Sträucher auf den östlichen und westlichen Knick und an den südlichen Waldrand gepflanzt.

Mit dem hauseigenen Trecker habe ich dann den Kies auf die sonnige Innenfläche – zugleich die größte Teilfläche - verbracht, die als Standort für eine trockene, nährstoffarme und besonders blütenreiche Magerwiese gedacht war und die entsprechend weiter abgemagert werden musste.

Den Kies habe ich anschließend mit der Motorfräse eingefräst.

Parallel begann - ebenfalls Trecker unterstützt- die Steinmauer langsam Stein für Stein zu wachsen und zugleich eine Treppe, die den Anschluss zum Hausgarten bildet.

Vor der Einsaat im Frühling habe ich vorsorglich für eine vorübergehende Beregnungsmög­lichkeit gesorgt, die das gleichmäßige Aufkeimen der Saat gewährleistete. (Dies war allerdings nur wenige Wochen langüberhaupt erforderlichund auch nur bei wirklich trockenem Wetter.)

Die Saatmischungen bezog ich bei verschiedenen zertifizierten Bio-Saatbetrieben, teilweise aus regionalem Saatgut, teilweise orientiert am gewählten Standort und seiner Bodenbeschaffenheit. Für die große sonnige Innenfläche wählte ich z.B. von der Firma „Syringa" die Blumenwiesen-Mischung 06a: „Magerwiese" aus 32 dauerhaften Wildblumen und fünf schwach­wüchsigen Gräsern.

Eine Bank mitten im Schmetterlingsparadies!

Der Erfolg war überwältigend!

Bereits im Juli/August des ersten Jahres waren alle Pflanzen- und Grasarten aufgelaufen und etliche blühten bereits! Die Mehrzahl der Pflanzen aber hatte Rosetten gebildet; sie blühten dann im Folgejahr (also 2016) mit doppelter Kraft.

Einige weitere Arten aus eigener Vermehrung hatte ich dazu gepflanzt (z.B. im etwas feuchteren Halbschatten die Nachtviole (für Nachtfalter), auf sonnigen Kies die großblütige Königskerze, Sonnenhut-Arten und einige bei Bio-Gärtnereien in Brandenburg erstandene flächenbildende Thymianarten. In die Steinmauer pflanzte ich z.B. gleichermaßen selbst vermehrten Feld-Thymian, Gewöhnlichen Hornklee und Dornige Hauhechel.)

Andere Pflanzen kamen aus der Umgebung von selbst hinzu wie der Kleine Sauerampfer und die Nachtkerze.

Anlage des Weges und der Treppe. Rechts im Bild das erfreuliche Ergebnis der Blumenwiesen-Mischung 06a.

Für die Wege hatte ich überlegt, auf ein Fundament von wassergebundenem Schotter Kiesschichten unterschiedlicher Körnung aufzubringen und darauf spezielle Saatmischungen z.B. aus Thymian zu säen. Das wird an einigen Stellen sicherlich noch geschehen. Aber man lernt ja auch unterwegs dazu. So waren auf den vom Bagger hinterlassenen Kiesschichten verschiedene Wildbienenarten schneller als ich mit meinen Vorhaben und nahmen die Wege in Besitz. Das führt mich dazu, dass ich in diesem Jahr größere Wegflächen für diese schützenswerten Hautflügler reservieren werde.

Der Thymian mag also anderswo wachsen…

Eidechsen sind noch nicht eingezogen, aber die ersten Ringelnattern fühlen sich im Garten schon wohl. Ich habe ich im Spätherbst des vergangenen Jahres in den tiefer gelegten Teil vor der Steinmauer einen (weiteren) kleinen(Folien-) Teich eingefügt, um das Kleinklima dort etwas zu verändern und ein wenig auchfür spezifische Pflanzen, für Wasserinsekten und Amphiben zu tun. Dieser kleine Teich mag sich einmal komplett selbst begrünen, habe ich mir gedacht… (Wasserläufer und Rückenschwimmer sind schon eingezogen.)

Und Schmetterlinge?

Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus)

Nun, ich lebe ja in der norddeutschen Schmetterlings-Diaspora. Das mag man bitte bedenken, bevor man über meinen Stolz auf die von meinem Garten bereits im ersten Jahr (2015) angelockten Arten milde lächelt. (Ein paar Exemplare sind abgebildet. Siehe auch die Fotosammlung)

In diesem Jahr hoffe ich sehr, einmal einen Schwalbenschwanz anzulocken (das wäre aber für mich im nördlichen Schleswig-Holstein ein Riesenerfolg); für den Großen und Kleinen Kohlweißling werde ich einige Kohlpflanzen einbringen; andere Arten wie Aurorafalter, Hauhechel-Bläuling und Königs­kerzen- Mönch haben im vergangenen Jahr schon Nachkommen hinterlassen. Vermutlich wird diese Liste erweitert durch den Kleinen Feuerfalter und den Faulbaum-Bläuling, die sich schon in die Interessenten-Liste eingetragen haben.

Einige Pflanzenarten sind ausgesprochen dominant (z.B. die Schafgarbe). Ich halte deshalb einige Bereiche versuchsweise ein wenig offen, um die Vielfalt der Wildblumen zu erhöhen. Und ich beobachte die weitere Entwicklung der Flächen sehr, sehr genau. Pflegerisch muss ich im Herbst/Winter eingreifen, wenn von den angrenzenden hohen Bäumen reichlich Laub auf die Flächen gefallen ist. Dies muss natürlich abgeräumt werden. Ich bin bemüht, eine Nährstoffan­reicherung auf den Flächen soweit wie möglich zu verhindern – auch mit weiteren Kieseinbringungen.

Schwalbenschwanz (Papilio machaon)
Aurorafalter Männchen (Anthocharis cardamines)

Natürlich mache ich seit mehreren Jahren Werbung in den regionalen Zeitungen und in meiner NABU –Ortsgruppe durch Artikel, Vorträge und Falter-Führungen.

Mein mittelfristiger Plan: ich selbst bin als 10-Jähriger zur lebenslangen Schmetterlings-Liebe gekommen. Ich will also auch mit den Jüngsten beginnen und Kindergartengruppen und Grundschul­klassen durch meinen sommerlichen Garten führen und versuchen, kleine Keimlinge der Liebe zur Natur zu pflanzen! Und bei der Erwachsenen will ich durch dies Beispiel dafür werben, im eigenen Garten Schmetterlingen eine Heimstatt zu bieten.

Abschließend die Erkenntnis: das Schönste aber an einem Naturgarten ist, dass er nie fertig wird, sich immer weiter entwickelt und in jedem Jahr neue, wunderbare Überraschungen bereit hält! 

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